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Leseproben

Leseprobe von Frank und der Vielfraß:

 

Alister kämpfte mit einem Stück Fleisch, das sich nicht vom Knochen lösen wollte. Der Geschmack dieses Fleisches erinnerte ihn an etwas, was er auf dieser Welt noch nie zwischen seine scharfen, ungepflegten Beißer bekam. Er dachte kurz nach und da fiel es ihm wieder ein. Als er noch bei Tante Augusta lebte, die er sehr mochte, unternahm er eines Tages mit seinem Frauchen einen Ausflug ins Grüne. Alister tollte mit ein paar Hunden herum, riss einem davon aus Jux ein paar Muskelstränge aus dem Hinterlauf und durfte nicht mehr mitspielen.

Alister hasste Hunde, die keinen Spaß verstanden. Das wurde ihm in diesem Moment wieder klar. Klar wurde ihm aber auch, dass sich im Anschluss an den Ausschluss selbst für einen abgebrühten Kerl wie ihn etwas Sonderbares ereignete.

Mitten aus dem Nichts und auf ein paar Kubikmeter begrenzt, blies ihm ein warmer Wind um die blutverschmierte Nase. Mit einem hörbaren Flump stand plötzlich ein anderer Vielfraß vor ihm und grinste ihn an. Fast im gleichen Moment machte es Suulp und Alister stand mit seinem grinsenden Artgenossen, der eine zerfieselte Baskenmütze auf dem Kopf trug, auf der anderen Seite. Eine Welt, die Alister schnell zu schätzen lernte und dort - während für Augusta 18 Minuten vergingen - dreieinhalb Jahre verbrachte.

In dieser Welt waren Vielfraße das Intelligenteste, was dieser grün-violett schimmernde Planet zu bieten hatte. Die Herrschaft über dieses Reich hatten allerdings die Mukuloks. Kreaturen, die große Ähnlichkeit mit Wasserschweinen besaßen, im Benehmen und ihrer Kultiviertheit dem englischen Landadel aber weitaus näher standen. Die Mukuloks regierten nicht im herkömmlichen Sinne. Sie bauten vielmehr prunkvolle Villen, stellten Plastiken auf und bestachen andere Gattungen dieser Welt mit ein paar Unterrichtsstunden in Mukulokscher Kunsterziehung, die dafür das lästige Zeug wie öffentlicher Nahverkehr, Ernährung oder Internetauftritt zu organisieren hatten.

Den Vielfraßen war dies sehr egal. Die meisten von ihnen sprachen von Geburt an 13 bis 33 Sprachen und das kurze Überfliegen der Relativitätstheorie reichte aus, um alles zu begreifen und im Handumdrehen zu widerlegen. Wert auf Manieren legten die Vielfraße aber keine. Nicht, dass sie sich aus irgendeinem Grund dagegen sträubten. Es war ihnen, wie so vieles andere auch, einfach fürchterlich egal. Eines Tages wagte sich sogar der kunsthistorische Vorstand der Mukuloks zu den Vielfraßen, die bei brütender Hitze in einem nahe gelegenen Waldstück ihre Siesta hielten. Ein kunstvoll geschmiedetes und mit Edelsteinen bestücktes Zepter sollte den Machtwechsel besiegeln, da die Mukuloks vor der geistigen Übermacht und unerträglichen Ignoranz der Vielfraße kapitulierten.

Doch auch an der Macht waren die Vielfraße nicht interessiert und so bissen sie dem steifen, aber liebenswürdigen Gesandten ein recht geringfügiges Stück Muskelstrang aus dem penibel gepflegten Fell und schickten ihn nach Hause.

Kapitel IX

Gehirnströme waberten durch seinen Kopf, Bilder projizierten sich an den unmöglichsten Stellen, was wiederum einige Synapsen veranlasste, sich zu lösen, um nach anderen Verbindungen Ausschau zu halten.

Das Gehirn machte sich ernsthafte Gedanken darüber, seine Hälften zu tauschen und die komplette Kommandozentrale hinter Franks fettiger Stirn fing an, nicht nur über Anarchie nachzudenken, sondern sie auch auszuleben. Ein durchaus beunruhigender Zustand, der den meisten Menschen entweder nicht auffällt oder sie zum nächsten Therapeuten treibt, der versichert, er kenne das Phänomen von sich selbst und habe gelernt, damit umzugehen. Bei Frank war das anders.

Der Kopfschmerz an sich bereitete ihm keine Schmerzen mehr und das Chaos in seinem Kopf störte ihn nicht. Vielmehr war er interessiert daran, was ihm das alles sagen sollte.

Frank war nicht der Kerl, der mit strahlend weißem Optimismus der Welt entgegen sah. Seinem Innersten, von dem er nur wusste, dass es existierte, vertraute er aber auf eine urtümliche und unerschütterliche, eherne Art und Weise. Langsam kam er zu sich. Er war zu Hause. Jemand musste ihn nach Hause gebracht haben. Alister schlief und der Kühlschrank war leer. An sich war alles beim Alten, aber die Umgebung ist wohl nicht das, was etwas beim Alten lässt.

 

Zusatzzeug

Liebe Leser,

 

wie eigenartig die moderne Welt doch ist. Jetzt spreche ich Sie an, ohne Sie zu kennen. Das "Du" wäre mir weitaus lieber. Also: "Habt viel Spaß beim Lesen!"

An Douglas Adams

 

Ich suche schon den ganzen Winter lang den Jupiter ab. Doch den 2000 Meilen langen Fisch in der Umlaufbahn habe ich noch nicht entdeckt. Vermute, es handelt sich um einen Zugfisch. Mach's gut, Douglas!

Ihr Verleger

 

Als Verantwortlicher dieses Verlags distanziere ich mich ausdrücklich von der Darstellung der Waschbären in Frank und der Vielfraß. Über die Kündigung des Autors wurde bereits nachgedacht. Aus Gründen der Nächstenliebe wurde davon Abstand genommen.

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Fotos: shutterstocks.com (2), Königer (2), feiyr.com

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